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Darf ich bitten? Eine Anleitung für eine Ballnacht in Wien

February 2, 2016 4:55 pm by

Seit über 200 Jahren ist der Wiener Ball eine Tradition, die Jahr für Jahr aufs Neue zelebriert wird. Die Ballsaison startet traditionellerweise mit dem Silvesterball und dauert bis zum Fasching, wenn das Treiben seinen Höhepunkt erreicht. Es finden aber auch während dem Rest des Jahres Sommer- oder Wohltätigkeitsbälle statt.

Über 450 Bälle werden jedes Jahr in Wien ausgerichtet und bieten dabei über 2000 Stunden Tanzvergnügen. Der Wiener Ball ist sogar UNESCO Weltkulturerbe.

Aber bei einem Ball geht es natürlich nicht nur um schöne Kleider, Walzer und historische Locations. Auch eine ganze Reihe von Benimmregeln gilt es zu beachten, wenn man nicht auf dem Parkett ausrutschen will. Hier sind die wichtigsten:

Dresscode:

Was bei den großen Traditionsbällen sofort ins Auge sticht, ist der von allen Besuchern und Besucherinnen beachtete Dresscode: Die Damen erscheinen im langen Abendkleid, die Herren im Smoking oder im Frack, der die Möglichkeit gibt, Orden und Ehrenzeichen zu tragen. Beim Opernball herrscht Frackpflicht. Mindestausstattung bei den meisten anderen Bällen ist der Smoking oder der feine schwarze Anzug mit Smokingschleife, keineswegs mit Krawatte. Oft sind auch Tracht oder Uniform erlaubt. Es gibt allerdings auch Kostümbälle, einen Brautkleiderball, Trachtenbälle oder Queer-Bälle. Der gewünschte Dresscode ist auf jeden Fall auf der Eintrittskarte vermerkt.

Eintrittskarten:

Richtig teuer sind die Karten für den wohl berühmtesten Ball, den Wiener Opernball, besonders für die Logen, um die es – trotz der hohen Preise – ein enormes Gerangel gibt. Die anderen Traditionsbälle, etwa in der imperial-vornehmen Hofburg, sind um einiges günstiger. Wesentlich preiswerter als die Tischplätze sind die Saalkarten. So frei in den Tanzpausen durch die Ballsäle zu flanieren, sich am Buffet, an der Cocktailbar oder im Heurigenlokal bei Schrammelmusik zu erfrischen, hat seinen Reiz.

Wenn Sie einen Tisch reserviert haben, so finden Sie diesen auf dem Saalplan. Damen sitzen immer rechts vom Herrn und wenn Sie vorgestellt werden, begrüßt Sie der Herr mit einem angedeuteten Handkuss. Wenn eine Dame sich vom Tisch erhebt, sollte auch der Herr aufstehen, oder dies zumindest andeuten. Das Mobiltelefon bleibt am besten daheim, da eine Benutzung desselben bei Tisch als großer Faux Pas gilt.

Die Eröffnung:

Die Balleröffnung findet meist zwischen 9 und 10 Uhr abends statt. Die formelle Eröffnungszeremonie enthält üblicherweise eine Polonaise, einen Walzer und andere Tanzchoreographien, die vom Eröffnungskomitee – bestehend aus weiß gekleideten Damen und schwarz gekleideten Herren – vorgetanzt wird.

Am Ende der Eröffnung lädt der Tanzmeiste mit den Worten „alles Walzer“ alle zum Mittanzen ein.

Tanzen:

Wenn ein Herr eine Dame zum Tanz bitten will, so macht er dies mit den Worten „Darf ich bitten?“. Wenn ihr der Sinn nicht danach steht, ist es auch in Ordnung, höflich abzulehnen. Vor dem Tanz knicksen beide, beim Tanz führt der Mann. Nach dem Tanz führt der Herr die Dame zu ihrem Tisch zurück. Es ziemt sich, alle Damen an einem Tisch zum Tanzen aufzufordern.

Auch wenn auf jedem Traditionsball der Tanzabend mit einem Walzer beginnt, ist das breite Repertoire der Gesellschaftstänze voll vertreten. Es spielen meist mehrere Orchester und Musikgruppen, auch eine Disco ist meist mit im Programm.

Damenwahl:

Liebe Damen, wenn Sie sich Ihre Herren lieber selbst aussuchen, dann müssen Sie bis zur Damenwahl warten. Dann ist es an den Damen, die Herren zum Tanzen aufzufordern. Wenn Sie also Single und auf der Suche sind, dann ist das Ihr Moment! Oder aber, Sie besorgen sich Karten für die Rudolfina Redoute. Bei diesem Ball tragen Damen Masken und haben den ganzen Abend Damenwahl. Eine andere Option wäre noch, einen sogenannten Taxitänzer um einen Tanz zu bitten.

Der letzte Tanz:

Bei allen Wiener Bällen hat auch der Schluss seine Tradition. Das Licht im Ballsaal wird heruntergedimmt, die Kapelle intoniert den etwas melancholischen langsamen Walzer „Brüderlein fein, musst nicht gar so traurig sein“ und alle noch tapfer Ausharrenden strömen nochmals auf die Tanzfläche zum letzten Tanz. Programmende der Ballnacht ist für viele Wiener die würzige Gulaschsuppe in einem der Kaffeehäuser in der Nähe, die in der Ballsaison schon um diese Zeit geöffnet haben. Gern praktizierte Alternative ist die deftige Stärkung an einem Würstelstand.

image credit: austria.info